Speedreading – die ersten Schritte

Wann hast du das letzte Mal ein Sach- oder Fachbuch gelesen? Wie lange hat es gedauert bis du ein Buch mit circa 300 Seiten durchgelesen hast? Mehrere Wochen oder Monate? Vielleicht sogar Jahre?

Der Grund, wieso viele Menschen lange brauchen, um ein Buch zu lesen, ist dass sie die Wörter gedanklich mitsprechen. Sie lesen sich also quasi den Text stumm vor. Das mag, wenn es aus meditativen Gründen erfolgt, durchaus sinnvoll sein; zum Verstehen eines Textes, ist es allerdings eher hinderlich. Während wir gedanklich langsam von Wort zu Wort gleiten, flitzen die Augen zwischen den Wörtern in der aktuellen Zeile und den Zeilen darüber und darunter hin und her. Dieses Hin- und Herflitzen wird als Blicksprung bezeichnet.

1. Irrglaube

Kann das Gelesene durch langsames Lesen aber nicht besser aufgenommen werden? Nein, das ist einer der Irrglauben beim Lesen. Indem wir jedes Wort einzeln lesen, hat unser Gehirn die Aufgabe, aus diesen einzeln nebeneinanderstehenden Wörtern ein inhaltliches Verständnis zu bilden. Das ist sehr ermüdend und wir legen das Buch bald wieder aus der Hand. Die Zeit, die wir brauchen, um das Buch zu lesen, hat also durch das langsame Lesen und zusätzlich durch die Ermüdung des Gehirns verlängert.

2. Irrglaube

Gehen beim Speedreading Informationen verloren? Diesem Irrglauben kannst du ganz schnell durch einen kleinen Test selbst auf die Schliche kommen. Nimm dir ein Buch, das fortan dein Übungsbuch zum Schnelllesen ist. Es sollte eher ein leicht geschriebenes Buch denn ein wissenschaftliches Sammelsurium sein. Stelle dir eine Stoppuhr auf 1 Minute und beginne in deinem aktuellen Tempo zu lesen. Markiere die Stelle, die du nach 1 Minute erreicht hast. Fasse nun gedanklich zusammen, was der Inhalt des Gelesenen war. Kannst du alle Informationen mit Details wiedergeben?

Stelle dir nun erneut eine Stoppuhr auf 1 Minute und lies denselben Text in deinem Wohlfühltempo noch einmal. Markiere wieder die Stelle, an die du gelangt bist. Bist du weiter gekommen? Fasse erneut das Gelesene gedanklich zusammen. Konntest du dir mehr Informationen oder einzelne Details merken? Wenn wir etwas lesen, das wir schon kennen, huscht das Gehirn quasi über die bekannten Stellen hinweg und erfasst besonders die unbekannten Stellen. Dadurch können wir in derselben Zeit mehr Wörter lesen und haben ein höheres Textverständnis. Mache das ganze nun noch ein drittes Mal, wobei du vorher festlegst, auf welche Informationen du bei diesem Durchgang achten möchtest beziehungsweise, welche Lücken im Textverständnis du füllen möchtest. Was ist dir bei diesem Durchgang aufgefallen?

Du siehst, es ist nicht möglich, beim einmaligen Lesen alle Informationen aufzunehmen. Du kannst es dir also sparen langsam zu lesen und stattdessen den Text gleich schnell lesen. Um den Inhalt eines Textes tatsächlich wirklich zu verstehen oder zu verinnerlichen, empfiehlt es sich ohnehin, einen Text 2-3 Mal zu lesen. Bei jedem Durchgang nehmen wir neue Informationen auf. Bei einem Roman mag es nebensächlich sein, bei einem Sachbuch können wir allerdings wichtige Informationen übersehen beziehungsweise überlesen, die möglicherweise gerade für uns besonders relevant gewesen wären.

Jetzt geht’s los.

Nachdem wir nun den Sinn des Speedreadings kennen und uns mit der Methode, die wir auch in Zukunft beim Üben anwenden werden, vertraut gemacht haben, kommt nun Schritt 1 beim Schnelllesen.

Um zu verhindern, dass die Augen in den Zeilen hin- und herflitzen, ist es sinnvoll, eine Lesehilfe zu verwenden. Mit dieser Hilfe wird die Zeile von vorn nach hinten entlanggefahren. Als Lesehilfe kannst du entweder einen Stift oder einen Finger, zum Beispiel deinen Zeige- oder Mittelfinger, nehmen.

Das wollen wir gleich einmal üben

Nimm wieder dein Übungsbuch, stelle die Stoppuhr auf 1 Minute und lese in deinem Wohlfühltempo mit der Lesehilfe einen neuen Textabschnitt. Und wie war´s? Hast du einen Unterschied zum vorherigen Lesen festgestellt? Verwende nun in den nächsten 7 Tagen beim Lesen stets deine Lesehilfe. Unabhängig davon, ob du die Zeitung, ein Buch, einen Brief oder eine E-Mail liest. Beim Lesen am Bildschirm kannst du die Maus als Lesehilfe verwenden. Hierdurch gewöhnst du dich an diese Art des Lesens.

Nächste Woche machen wir dann deiner Lesegeschwindigkeit Tempo.

Herzlichst,

deine Christina Christiansen